Stefan Lenz
Ortspartei Wetzikon
08.02.2021

Smart City-Strategie für Wetzikon

Unsere Stadt Wetzikon wächst weiter und wird grösser. In der Entwicklung bis 2025 soll Wetzikon rund 28'000 Einwohner haben. Der vorhandene Platz ist dabei begrenzt, wir rücken näher zusammen. Die Art und Weise wie wir uns in der Stadt bewegen, wie Dienstleistungen der Stadt genutzt werden und wie wir die Stadt mitgestalten, muss moderner werden. Die FDP ist überzeugt, dass sich Wetzikon zu einer «Smart City» entwickeln muss. Die Ziele einer Smart City sind ausgerichtet auf eine ressourcenschonende Stadtentwicklung, eine Erhöhung der Lebensqualität und der Standortattraktivität. Mit einer Smart City-Strategie wird diese Entwicklung unter Mitwirkung der Bevölkerung erarbeitet und für die Einwohner, die Wirtschaft und das Gewerbe verständlich publiziert. Die Strategie wird dabei nicht «in Stein gemeisselt» - eine moderne Strategie-Umsetzung beinhaltet eine regelmässige Überprüfung der Strategie inkl. Ziele und Massnahmen mit allfälligen Anpassungen.

Die Engagements von verschiedenen Städten in Richtung Smart City haben sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz positiv entwickelt und an Struktur gewonnen. Unsere Stadt Wetzikon hat diesbezüglich noch Aufholpotenzial. Die Stadt in eine smarte Stadt zu entwickeln lohnt sich auch für Wetzikon. Denn die übergeordneten Ziele einer Smart City sind ausgerichtet auf eine ressourcenschonende Stadtentwicklung, eine Erhöhung der Lebensqualität und der Standortattraktivität. Als Regionalzentrum im Zürcher Oberland soll Wetzikon aus Sicht der FDP eine Leuchtturm-Funktion für Smart City einnehmen.

Die Entwicklung zu einer Smart City umfasst zahlreiche verschiedene Bereiche. Diese Bereiche werden oft in einem «Smart City-Wheel» dargestellt (siehe Bild oben). Mit Hilfe dieser Struktur können Vorhaben besser eingeordnet werden:

 
Themenbereich Erläuterung und Beispiele
Smart Environment
  • Intelligente öffentliche Räume mit Wegbeschreibungen, geschichtlichen oder touristische Informationen, Orts- und Gebäude-Informationen
  • Veranstaltungs-Informationen mit Interaktionsmöglichkeiten
  • Intelligente Weg- und Strassenbeleuchtung
  • Intelligente Gebäude mit Zutrittssteuerung und Gebäudetechnik
  • Erlebbare Stadtplanung mit 3D-Modellen
Smart Economy
  • Lokale Wertschöpfungsnetze zur Förderung der Kreislaufwirtschaft
  • Marktplätze, Markthalle mit wechselndem lokalem Gewerbeangebot
  • Förderung von Geschäftsmodellen «nutzen statt besitzen» der Sharing Economy
  • Co-Working-Möglichkeiten für Studenten, Gewerbe, Kultur, Verwaltung zur Förderung der Zusammenarbeit
  • Startup- und Technologie-Center mit Unterstützung der Standortförderung
  • Nutzung digitaler Bezahlmöglichkeiten
Smart Living
  • Gesundheitswesen als Zusammenarbeits-Modell von Spitälern, Ärzten, Spitex mit digitaler Unterstützung
  • Förderung von sozialen Kontakten für unterschiedliche Zielgruppen über einfache Kommunikationswege
  • Intelligente Nutzung von Energie in Gebäuden und für Mobilität
  • Mehr Sicherheit im öffentlichen und privaten Raum
Smart Mobility
  • Verkehrslenkung und intelligente Parkplatzbewirtschaftung
  • Intelligente Säulen mit Informationstafeln, Strom-Tankstelle, Strassen- oder Platzbeleuchtung, Umweltsensoren und WLAN-Antenne
  • Bedarfsorientierter öffentlicher Verkehr, mit kleineren Einheiten
  • Selbstfahrende Fahrzeuge für Güter- und Personen-Transporte
  • Nutzung der dritten Dimension («Luft») für Drohnen-Transporte
Smart People
  • Stärkung des Generationen-Dialogs zur besseren Verständigung
  • Lernen und Bildung zu digitalen Prozessen für alle Generationen
  • Stadtmelder-App zur Meldung von Verunreinigungen, Defekten oder positiven Ereignissen
  • Lokale Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung mit internationaler Vernetzung
Smart Government
  • Umfassende digitale Dienstleistungen der Stadtverwaltung (Website, Shop, App)
  • Betrieb eines Chat Bots für Standard-Auskünfte der Stadtverwaltung
  • Mitwirkungsverfahren bei Gestaltungsvorhaben und Konzepten
  • Direkte, unkomplizierte Kontakte zwischen Bevölkerung und Politik
  • Verstärkte politische Bildung und politische Kommunikation

Das Grundprinzip einer Smart City beruht darauf, dass die Anspruchsgruppen Regierung, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung in den Bereichen zusammenarbeiten. Die Stadt ist ein wichtiger aber nicht der einzige Taktgeber. Die Stadtentwicklung zu einer «Smart City» ist nicht nur für grosse Städte sinnvoll. Beispiele von verschiedenen Schweizer Städten, die ihre Pläne zu Smart City bereits konkretisiert haben:

 
Stadt Weitere Informationen
Baden Website der Stadt Baden | Suchfunktion "Smart City"
Dietikon Smart City-Labor des EKZ
Kloten Vision und Zielbild Kloten 2030
Lenzburg Plattform citelligent für Smart City
Schaffhausen Kurzbeschreibung Smart City und Smart City-Strategie
St. Gallen Smart City-Lab
Thun Smart City-Positionierung mit Video-Statements
Uster Digital-Strategie für Smart-Uster
Wädenswil Smart-City-Vorhaben mit Smart City-Tower
Wil Smarte Stadt im Grünen
Winterthur Fachstelle Smart City und Smart City-Strategie
Zug Smart City-Strategie
Zürich Team und Projekte zu Smart City Zürich

Smarte Zelle Aawiesen

In Wetzikon wurde bereits ein erstes Vorhaben von einem privaten Unternehmen angestossen. Mit der «smarten Zelle Aawiesen» hat das Immobilien-Unternehmen RIAG eine Test-Planung durchgeführt. Mit der Test-Planung, welche in Zusammenarbeit mit der Stadtplanung der Stadt Wetzikon durchgeführt wurde, konnte ein zukunftsfähiges Bild für die Weiterentwicklung von Industriegebäuden erarbeitet werden. Das Ergebnis wurde 2019 mit dem Smart City Innovation Award ausgezeichnet.

Warum eine Smart City-Strategie?

Die Bereiche, die eine Smart City adressiert, sind vielfältig, dies zeigt das Smart City-Wheel. Entsprechend handelt es sich bei der Realisierung von einzelnen Smart City-Projekten um Teile einer langfristigen Initiative mit vielen beteiligten Anspruchsgruppen. Im Rahmen einer Smart City-Strategie wird typischerweise ein Zielbild erarbeitet. Dieses Zielbild stellt einen gemeinsamen Rahmen der smarten Stadt der Zukunft und eine grobe Planung dar. Das Zielbild erklärt interessierten Bürgern und Einwohnern, wohin und wie sich Wetzikon entwickeln will. Die Strategie dient dazu, den Kompass gut auszurichten und den Überblick bei den verschiedenen einzelnen Projekten nicht zu verlieren. Ein gutes Beispiel eines Zielbildes stellt das Bild der Stadt Kloten 2030 dar, es ist als Illustration in diesen Bericht integriert. 

Im Januar 2021 wurde auf der Website «Smart City Survey» eine aktuelle Umfrage zu den Smart City-Aktivitäten der Schweiz publiziert. Bereits 84 Städte in der Schweiz haben sich an der Umfrage beteiligt - dies entspricht 49% der Schweizer Städte. Von den 84 teilnehmenden Städten, haben 40% bereits Pilotprojekte zu Smart City umgesetzt, um Erfahrungen zu sammeln.

Auch der Schweizerische Städteverband hat das Thema der Smart City-Entwicklung aufgenommen und eine Analyse der Anspruchsgruppen vorgenommen. Die Stakeholder-Analyse erläutert den Reifegrad von verschiedenen Smart City-Dienstleistungen im Bereich Smart People, Smart Economy, Smart Mobility usw. Die Analyse ist auf der Website der Städteverbands verfügbar.

Smart City-Hub und SmartSuisse-Plattform

Der Smart City-Hub dient als Vernetzungs- und Austausch-Plattform von Smart City-Ideen und Konzepten. Denn ein wichtiger Teil der Smart City ist, die Bereitschaft vorhandenes Wissen und Erfahrungen zu teilen. Dadurch soll die Entwicklung von Projekten beschleunigt werden. Denn die 171 Schwizer Städte müssen nicht jede Idee selbst entwickeln. Der Einbezug von Wirtschaft und Bevölkerung ist zentral.

Die Veranstaltung «SmartSuisse» findet 2021 bereits zu dritten Mal statt. Es ist ein auf die Smart City-Entwicklung in der Schweiz fokussierter Kongress mit einem interessanten Mix von Strategie und konkreten Lösungen.  Die Veranstaltung findet am 27./28. Oktober 2021 in Basel statt, die Schwerpunkte sind Governance, Mobilität, Energie und Umwelt sowie Infrastruktur.

Stadtrat unterstützt Smart City-Strategie

Das Postulat der FDP wurde vom Stadtrat und der Verwaltung überprüft, der Stadtrat ist bereit, es entgegenzunehmen. Im Antrag an das Parlament bestätigt der Stadtrat, dass bereits verschiedene Projekte mit Bezug zu einer Smart City aufgegleist sind, der gemeinsame Rahmen dazu aber fehlt. Der Antrag, eine Smart City-Strategie zu erarbeiten, wurde im Parlament Wetzikon am 15. März 2021 diskutiert und die Überweisung mit 20 zu 15 Stimmen beschlossen.

Im Verlauf der Diskussion im Parlament wurden Bedenken geäussert, dass ein Papiertiger entwickelt wird. Die FDP ist überzeugt, dass dies nicht der Falls ist wenn die Umsetzung der Strategie nach moderenen Führungsgrundsätzen erfolgt. Denn eine Strategie wird heute nicht mehr «in Stein gemeisselt» und dann sklavisch umgesetzt. Eine moderne Strategie-Umsetzung beinhaltet eine regelmässige Überprüfung der Strategie inkl. Ziele und Massnahmen mit allfälligen Anpassungen aufgrund von sicher ändernden Rahmenbedingungen, neuen Ansprüchen usw.